28.Februar, 2020

Notfallplan für den Coronavirus in Wien

Ärztekammer, Stadt Wien und KAV informieren

Das Coronavirus ist auch in Österreich angekommen! Oberstes Ziel der Ärztekammer ist es nun, Infektionen bei PatientInnen sowie ÄrztInnen nach Möglichkeit zu vermeiden. Dafür wurde ein mit dem Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) und dem Gesundheitsdienst der Stadt Wien (MA 15) abgestimmtes Plakat (in mehreren Sprachen) elektronisch an alle niedergelassenen ÄrztInnen versand. Zudem nimmt der Ärztefunkdienst der Ärztekammer für Wien seit dem 28.2. auch Hausbesuche bei Infektionsverdacht wahr – 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Die auf Visite fahrenden ÄrztInnen sind mit einer entsprechenden Schutzausrüstung ausgestattet und führen Abstriche für Tests durch. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer für Wien, zum aktuellen Notfallplan:

„Wir haben einen Plan ausgearbeitet, wie wir in Wien in Zukunft PatientInnen versorgen werden. Es ist zu befürchten, dass die Infektionen mehr werden, derzeit haben wir drei bestätigte Fälle. Für den Fall haben wir eben ein Modell ausgearbeitet, bei dem wir die Infektionen von PatientInnen, aber auch vom Gesundheitspersonal nach Möglichkeit gering halten möchten. Dabei ist es wichtig, dass jene PatientInnen, die Symptome aufweisen und möglicherweise infiziert sind zu Hause betreut werden. Diese Haus-Betreuung wurde innerhalb von zwei Tagen durch den Ärztefunkdienst organisiert, welcher ab jetzt nicht nur bei Nacht, sondern auch bei Tag verfügbar ist. Dabei werden PatientInnen vor Ort besucht, es werden Abstriche genommen und Untersuchungen gemacht. Sollte sich eine Infektion tatsächlich als positiv herausstellen, wird eine Betreuung direkt zu Hause stattfinden.“

Der Ärztefunkdienst übernimmt damit ab sofort die Erstdiagnose, sowie Erstbetreuung von Corona-Verdachtsfällen in Wien. Entscheidend ist, rasch zu eruieren: Wer ist erkrankt? Welcher Schweregrad liegt vor? Und wie kann die gesunde Bevölkerung weiterhin geschützt werden? Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr, soll unter allen Umständen vermieden werden, dass Ordinationen mit Verdachtspatienten überschwemmt werden. Bei möglichen Symptomen sei deshalb zuerst die Gesundheitshotline (Nummer: 1450) sowie der Ärztefunk (Nummer: 141) zu kontaktieren. Ein Erstcheck per Telefon ist die erste Instanz, bei der der weitere Ablauf eruiert wird. MR Dr. Johannes Steinhart, Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien:

„Besorgte Bürger können die telefonische Gesundheitshotline unter der Nummer 1450 kontaktieren und dort erfolgt dann der medizinisch-wissenschaftliche Abfragebaum durch ÄrztInnen als Erstcheck. Konkret wird ermittelt: Welche Symptome beschreiben die PatientInnen? Waren sie in einer von Corona stark betroffenen Region? Hatten sie tatsächlich Kontakt mit Coronavirus-Erkrankten? Dabei wird erst einmal telefonisch abgeklärt, ob die BürgerInnen tatsächlich vom Virus betroffen sein können. Ist keine Gefährdung gegeben, dann können die PatientInnen wie gewohnt ihre HausärztInnen aufsuchen und, so wie bei anderen Erkrankungen oder Grippalinfekten, behandelt werden. Wird aber auf Basis dieser Abfrage der Verdacht einer Infektion festgestellt, wird das mobile Homesampling-Team des Ärztefunkdienstes informiert. Im Verdachtsfall erfolgen jetzt die Hausbesuche durch den Ärztefunkdienst und das rund um die Uhr, also 27/7. Die nötige Schutzausrüstung dafür stellt der KAV zur Verfügung.“

Derzeit liegen in Wien drei konkrete Fälle von Coronavirus-Erkrankungen vor. Zwei Patienten davon befinden sich in gutem klinischen Allgemeinzustand und werden sich laut Einschätzung der ÄrztInnen durch eigene Kräfte ausheilen können. Der Patient in intensivmedizinischer Betreuung hingegen wird noch eingehend betreut und untersucht, um auch sicherzustellen, wann und wo die Infizierung stattgefunden hat. Im Moment gibt es jedenfalls keinen Hinweis darauf, dass das Virus in Wien von Mensch zu Mensch übertragen wird, so Dr. Michael Binder, Medizinischer Direktor des Wiener Krankenanstaltenverbunds:

„Zum heutigen Zeitpunkt gibt es keinen gesicherten Hinweis auf eine effiziente Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Coronavirus in Wien. In dieser Sicherheit können wir uns alle durchaus wähnen. Ich welcher Aussicht das gewährleistet ist, können wir im Moment nicht sagen. Es kann durchaus sein, dass noch weitere Fälle auftreten. Wir werden aber alle Fälle mit der gleichen Genauigkeit verfolgen, wie wir das in den bisherigen drei Fällen getan haben. Die Untersuchungen laufen und wie gesehen, hat sich innerhalb von kurzer Zeit eine erfolgreiche und effiziente organisatorische Zusammenarbeit der Stadt Wien, Krankenanstaltenverbund, Ärztekamme, Ärztefunkdienst und der Gesundheitskasse ergeben.“

Trotz dieses umfangreichen Maßnahmenpakets macht sich auch Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung breit. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass Menschen in Wien die Geschäfte stürmen, um entsprechende Masken und Schutzkleidung zu erwerben, um sich nicht mit dem Virus zu infizieren. Vor allem jedoch sind es die ÄrztInnen, das Pflegepersonal sowie betroffene Patienten, die diese spezielle Kleidung benötigen würden, wie Dr. Andreas Krauter, Leitender Arzt in der Österreichischen Gesundheitskasse zur Finanzierung festhält:

„Selbstverständlich ist es ein großes Anliegen der Gesundheitskasse, dass jene Maßnahmen, die zu Hause durchgeführt werden können, auch entsprechend refundiert werden. Hierzu gab es in den letzten Tagen Verhandlungen, bei denen festgelegt wurde, dass alle die Produkte, die als Schutzbekleidung anfallen für die Ordinationen, für die Betreuung, für die Abstrichabnahme, sowie für die weitere Betreuung kostentechnisch übernommen werden.“

Auch wenn vielerorts zu Vorsicht geraten wird, sollte sich keine Panik einstellen. Lediglich ein kleiner Prozentsatz der Erkrankungen würden als wirklich kritisch angesehen werden, während vier von fünf Fällen nur milde Symptome aufweisen. Peter Hacker, Gesundheitsstadtrat für Gesundheit, Soziales und Sport zum aktuellen Stand der Dinge:

„Die Phase wo es darum geht, einzelne Fälle zu identifizieren wechselt jetzt in die Phase wo es darum geht, eine Ausbreitung kleinräumig so rasch wie möglich zu unterbinden. Das bedeutet natürlich auch, dass betreffende Organisationseinheiten ihre Aufgaben verändern müssen. Jetzt geht es darum, wo behandeln wir Menschen die bereits erkrankt sind und wo behandeln werden wir zukünftig erkrankte Menschen behandeln. Nachdem wir aus einer ersten großen, wirklich brauchbaren Studie aus China wissen, dass rund 80 Prozent der Krankheitsverläufe nur mit milden Symptomen versehen sind und lediglich drei bis vier Prozent der Krankheitsverläufe wirklich kritisch sind, müssen wir jetzt unsere Spezialabteilungen darauf fokussieren, sie für diese kritisch Erkrankten vorzubereiten und zu konzentrieren.“

Nach derzeitigem Stand sind zwei Ärztefunkdienstautos am Tag sowie eines in der Nacht im Einsatz. So hat die Wiener Rettung in den letzten 24 Stunden (Stand: 27.2.2020, 12:00 Uhr) 44 Verdachtsfälle verzeichnet. Dies deckt sich auch mit den Erfahrungswerten des Ärztefunkdiensts: Dort wurden seit 24.Februar bei 664 Hausbesuchen und 1.587 Anrufen vier Verdachtsfälle verzeichnet. Im Bedarfsfall werden zudem weitere Autos, sowie ÄrztInnen eingesetzt. Insgesamt haben sich 200 ÄrztInnen beim Ärztefunkdienst gemeldet, die bereit sind, im Rahmen dieser Aktion Dienste zu versehen.

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Credit Alexander Tanasic

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Die Ärztekammer Wien, die Stadt Wien und der Wiener Krankenanstaltenverbund haben über den akkordierten Notfallplan bei Corona-Verdachtsfällen informiert und Fragen beantwortet. #coronavirus DIEGANZE.INFO: https://tinyurl.com/tw3zjlk

Gesprächspartner

Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer für Wien

Peter Hacker, Gesundheitsstadtrat für Gesundheit, Soziales und Sport

MR Dr. Johannes Steinhart, Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien

Dr. Michael Binder, Medizinischer Direktor des Wiener Krankenanstaltenverbunds

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Quelle

Ärztekammer für Wien
Weihburggasse 10-12,
1010 Wien
Österreich

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